Geschichtliches
Will man die Geschichte der Gemeinde Krakauschatten näher betrachten, wird man sehr bald entdecken, dass diese unlösbar mit der Geschichte des gesamten Krakautales verbunden ist. Im Jahr 1304 scheint die Bezeichnung "Krakau" für unser Tal zum ersten Mal in einer Urkunde auf (bereits 1075 wird allerdings der Feistritzbach in Krakauschatten genannt). Zu dieser Zeit war die Gegend schon lange kultiviertes Land.
Ein überlieferter Flurname läßt darauf schließen, dass schon eine vorslawische, im Rantental siedelnde Bevölkerung das Hochtal der Krakau als Weidegebiet genutzt hat. Ab dem 6. Jahrhundert rodeten dann slawische Siedler vom Rantental aus im östlichen Teil der Hochebene und legten auf der sonnenreichen Geländestufe am Fuß der Dorferalm eine Weilersiedlung an, deren slawischer Name "Lessach", das ist das heutige Krakaudorf, uns noch in Urkunden des 18. Jahrhunderts begegnet. Besonders interessant ist auch, dass in unserem Gemeindegebiet im Ortsteil Unteretrach ebenfalls eine Weilersiedlung entstand. Von einer Rodungstätigkeit dieser Bevölkerung gegen Westen zeugen noch viele slawische Flurnamen entlang der Sonnenseite des Tales und schließlich die Bezeichnung für die Gegend selbst. Krakau, ein lautmalendes Wort, dem Ruf der Krähen-Bergdohlen abgelauscht, soll wohl ausdrücken, daß in dieser Gegend die Krähen zuhause sind. Alle drei Krakauer Gemeinden führen daher auch die Krähe als Symbol im Gemeindewappen.
Die westlichste slawische Rodung mag unweit des heutigen "Hotel Stigenwirth" in Krakauebene gelegen sein, das noch im 18. Jahrhundert "Gütl am Treffen" genannt wird. Wohl finden wir aber noch weit bis in die Seitentäler hinein slawische Flurnamen; Namen wie "Scharnigl", "Glanz" (= Hohlweg) oder "Pallas" (Brandrodestelle) geben Zeugnis von dieser frühen Siedlungstätigkeit.
Ab dem 9. Jahrhundert gesellten sich bayrische Siedler zur zahlenmäßig sicher nicht sehr großen slawischen Bevölkerung. Sie legten Einzelhofsiedlungen an den Hängen zum Talschluß an, bis über die Jahrtausendwende sicherlich noch mit den slawischen Siedlern. So errichteten sie auch in Unteretrach einen Meierhof. Ende des 12. Jahrhunderts war die Besiedlung des Tales abgeschlossen.
Als Grundherrn scheinen im 14. Jahrhundert im westlichen teil die altbayrischen Geschlechter der Ortenburger und der Sternberger auf, im östlichen Teil war der Anteil der Liechtensteiner bedeutend. Diese hochadeligen Geschlechter vergaben nun ihrerseits Lehen, d.h. zinspflichtige Bauerngüter an adelige Gefolgsleute, sodassa zwischen dem 15. und 17. Jahrhundert eine größere Anzahl von Grundherren im Tale untertänige Bauerngüter hatten. Ab dem 17. Jahrhundert bis zur Aufhebung der Grunduntertänigkeit 1848, der sogenannten Bauernbefreiung, überwog dann der Besitzstand der Fürsten Schwarzenberg. Im Tal gab es mehrere Zehenthöfe, die einzigen Steinbauten, auf denen bäuerliche Verwalter der Grundherren saßen. Sie Hatten die Aufgabe, die Abgaben der Zinspflichtigen einzuheben, zu verwalten, aber auch den Untertanen der Grundherren Schutz und Hilfe zu gewähren. Als ein heute noch besonders interessantes Beispiel gilt der "Gartlerhof" in Krakauhintermühlen, damals Zehenthof des Bischofs von Freising. Ein Schlitten mit Mohrenkopf, das Symbol aus dem bischöflichen Wappen, steht im Heimatmuseum Murau. Viehzucht, Milchwirtschaft und Ackerbau waren bis in die jüngste Zeit alleinige Lebensgrundlage der Bevölkerung. Da der Ackerbau, dem Klima und der Höhenlage des Tales angemessen, nicht bedeutend sein konnte, war von Anfang an die Almwirtschaft ein wichtiger Lebensfaktor. Almverträge zwischen Bauern verschiedener Grundherrschaften sind uns seit dem 15. Jahrhundert bekannt. Ebenso die Einrichtung von Voralmen, "Berg" genannt, auf denen das Vieh im Frühsommer vor dem Trieb auf die Hochalmen in den Seitentälern gehalten wurde. Der Hof vlg. "Berger" in Krakauhintermühlen geht auf eine solche Voralm zurück; er ist heute der höchstgelegene Bergbauernhof der Steiermark.
Ab dem 15. Jahrhundert setzte auch in der Krakau, wie überall im Bereich der Alpen, verstärkte Bergbautätigkeit ein. Geschürft wurde auf Edelmetall, der sage nah ruht der Preber ja auf goldenen Säulen. In der Umgebung von Krakaudorf wurde sogenanntes "Waldeisen", das ist Gestein mit geringem Erzanteil, gefördert. Interessant ist ein fast unbekannter Bergbau im Etrachtal. In fast 2000m Höhe wurde im 19. Jahrhundert Talk, ein Mineral, das als Gleitmittel unter anderem bei der Papierherstellung und der Appreturherstellung Verwendung findet, abgebaut. In Pulverform ist es als Federweiß bekannt. Von kriegerischen Ereignissen war das Tal weitestgehend verschont. Auch die Türkeneinfälle Ende des 15. Jahrhunderts betrafen das Tal selbst nicht.1481 jedoch vernehmen wir von einem Gefecht zwischen den Leuten des Erzbischofs von Salzburg und dem Liechtensteiner von Murau, als Gefolgsmann Kaiser Friedrich III., der mit Hilfe der Krakauer Bauern einen Einfall der Salzburger auf das steirische Gebiet in der Krakau abwehrte. Murau war 1797 und 1800 von Franzosen besetzt. Streifscharen drangen damals bis Krakaudorf vor, wohl auf Plünderungszügen. An die wehrhafte Vertreibung erinnert noch das "Franzosenkreuz" östlich von Krakaudorf. 1715 wütete die Pest im Tal. Innerhalb weniger Monate starben in der Großpfarre Ranten, zu der die Krakau gehörte, über 850 Menschen. Erst 1760 wurde St. Oswald in Krakaudorf, dessen Gründung in das 13. Jahrhundert verlegt werden kann, selbständiges Vikariat und damit von der Mutterpfarre Ranten getrennt. 1791 erfolgte die Installierung des Vikariates St. Ulrich in Krakauebene, beide Vikariate wurden 1829 zu Pfarren erhoben Die Volksschule in Krakauschatten besteht, wie die Volksschulen der übrigen zwei Gemeinden auch, seit der Wende vom 18. zum 19. Jahrhundert.
(Quelle: Krakauer Wanderführer)








